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 Tendai - Zornesglut

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Tendai
Admin
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Anzahl der Beiträge : 491
Anmeldedatum : 03.11.12

Charakter der Figur
Titel: Zornesglut
Rudel: Anhänger Bators
Rang: Leitwölfin

BeitragThema: Tendai - Zornesglut   Mo Nov 26, 2012 6:12 am


Tendai




Allgemeines


Wer ich bin, wer ich wirklich bin, das weiß nur ich und du wirst es nie wissen, du wirst es nie erraten, denn ich verstecke mein Gesicht in kaltem Nebel, meine Seele verhüllt von der Nacht. Denn die Nacht gehört mir und ich gehöre der Nacht, wir beide schwarz wie der Flügel eines Raben, der den Mond verdeckt. Wir beide wie Bruder und Schwester. Doch der Nebel kann lügen und die Dunkelheit täuschen, was würdest du sagen, wenn die Nacht nicht kalt und bedrohlich wäre, nicht mehr schwarz wie eine Fledermaus und nicht mehr voller funkelnder gelber Augen, die dich beobachten? Wenn die Nacht samtschwarz wäre, wenn die Dunkelheit dich wie eine leichte, warme Decke umhüllen würde und wenn der Nebel dich, statt dir die Sicht zu nehmen, nur kühl streifen würde?


name;
Man nennt mich Tendai. Wieso? Ich weiß, der Name klingt nicht gerade weiblich, andererseits bin ich auch alles andere als die typische Wölfin, daher denke ich, er passt. Und einfach nur „Tendai“ zu heißen ist allemal besser, als irgendeinen ellenlangen Namen mit hundert verschiedenen, komplizierten, ach so poetischen Bedeutungen zu haben. Manchen Wölfen geht das so. Stellt euch vor, ihr bräuchtet eine halbe Stunde, um euren Namen zu nennen....na ja, ich will nicht spotten. Soviel ich weiß, bedeutet „Tendai“ nichts Besonderes.


titel;
Tja, noch so eine Sache, die mich aufregt. Wozu sind Titel gut? Wenn man mich ruft, ruft man mich sicher nicht bei meinem Titel, “Zornesglut“. Titel klingen zwar schön, aber bei Wölfen, deren Hauptziel es ist, zu überleben, haben sie weder Sinn noch Nutzen....okay, mein Titel passt recht gut zu mir, das gebe ich zu. Aber trotzdem finde ich ihn überflüssig. Ich weiß gar nicht mehr, wann und wie ich ihn bekommen habe...


geschlecht;
Ich bitte dich! Hast du keine Nase, um mein Geschlecht zu riechen? Hier stehe ich vor dir, als Wölfin, und obwohl es oft Wölfe gibt, die mich verspotten und behaupten, eine Wölfin könne kein Rudel führen, möchte ich nie im Leben ein Rüde sein. Dafür macht es mir viel zu viel Spaß, mich gegen die beiden Rüden, die die anderen drei Teile unseres ehemals vereinten Rudels führen, zu behaupten.


alter;
In Wolfsjahren gemessen bin ich drei Jahre alt und somit für einen Wolf, noch dazu für einen Leitwolf, ganz schön jung. Vermutlich ist das noch ein Grund mehr für viele Rüden, mich zu verachten – eine Wölfin, noch dazu eine, die gerade erst ihr Jungwolfalter hinter sich hat, als Alpha! – aber ich finde es gut, dass ich noch viel jugendliche Energie in den Pfoten habe. Genug jugendliche Energie, um die Spötter in ihre Schranken zu weisen.


rang;
Ich besetze den stolzen Rang einer Leitwölfin. Oder einer Alpha, wenn ihr wollt. Einige – oder besser: Viele – meinen, ich sei der Aufgabe nicht gewachsen und viel zu leichtsinnig und unerfahren, um ein Rudel anzuführen. Auch wenn ich Bators älteste Tochter bin. Aber – ha! – das sagen sie einmal, und danach trauen sie sich nicht mehr, wenn ich erst einmal mit ihnen fertig bin. Vielleicht denken sie es noch. Aber was man über mich denkt, ist mir herzlich egal, solange man mich damit in Ruhe lässt. Ich weiß ja, dass ich ein Gewissen und ein Verantwortungsgefühl habe und dass ich auf jeden Fall immer das tun werde, von dem ich denke, dass es am Besten für das Rudel ist.


rudel;
Es ist doch nur logisch, dass ich im selben Rudel bin wie mein Vater, oder? Und, ganz ehrlich: Auch wenn ich den Anhängern Bators nicht freiwillig beigetreten bin, gibt es kein Rudel, in das ich besser passen würde. Ich gehöre hierhin, zu den Wölfen, die noch ein Rückgrat haben, und die sich an den Menschen rächen wollen. Und das werde ich tun. Ich werde meinen Vater rächen.


rasse;
Ich bin ein schwarzer Timberwolf. So wie Bator, mein Vater. Einige meinen sogar, ich sehe aus wie sein weibliches Ebenbild. Das kann ich natürlich nicht beurteilen, denn als Bator starb, war ich erst wenige Wochen alt. Aber das gehört eigentlich nicht hierher...






Aussehen


Weck mich, wenn die Schatten länger werden, wenn die Sonne ruht. Wenn der Westen seine leuchtend roten Krallen über den Himmel schickt und die Sonne zu sich lockt, auf dass sie auch das Meer in Flammen setzt. Eine Nacht lang bleibt sie fort, ihr Licht weicht dem des Mondes, einer fernen Silberscheibe voller Krater, gezeichnet vom Leben und voller Narben, ganz wie du und ich. Die Nacht an sich, ein schwarzes Wesen, man fühlt sie förmlich auf der Haut, wenn ihre Dunkelheit uns wie Nebelschwaden umfängt, wenn die Wärme der Sonne aus der Luft weicht und nichts als Kälte übrig lässt, Kälte, die in Ritzen und Spalten kriecht, die die Luft schwängert und sucht, die nach dem Schlüssel zu unseren Herzen sucht, um auch sie festzuhalten mit eisiger Hand. Doch ich fürchte mich nicht, denn ich und die Nacht, wir kennen uns zu gut, wir konnten uns gegenseitig noch nie beeindrucken. Spürst du es nicht, das Zittern in der Luft, das Prickeln auf der Haut, Boten eines nahenden Abenteuers? Es ist eiskalt, doch mein Blut rinnt heiß und leidenschaftlich, ich will etwas erleben, dazu ist die Nacht doch da. Die Nacht gehört den Abenteurern.


aussehen;
Hast du keine Augen im Kopf? Hier, hier stehe ich, genau vor dir. Sieh mich genau an, denn es könnte das Letzte sein, was du siehst, wenn du weiterhin so dumme Fragen stellst. Aber na gut, da du anscheinend blind wie ein Maulwurf bist, kann ich dir zuliebe ja mal erklären, wie ich aussehe. Ich bin eine für ihre Rasse recht zierliche Wölfin, denn ich bin zwar groß gewachsen, aber ziemlich schmächtig. Meine Muskeln sind klein, aber hart und voller Kraft, und ich habe einen schmalen Brustkorb und lange, schlanke Beine, perfekt, um ohne Pause lange Strecken zu laufen. Vielleicht habe ich nicht so eine massige Statur, die jeden sofort einschüchtert, aber ich bin ja wohl kein Betha-Wolf, daher brauche ich viel mehr als meine Muskeln oder Kraft meine Ausstrahlung, wenn ich das Rudel dazu bringen will, dass es mir folgt. Und Ausstrahlung besitze ich genug. Wenn ich spreche, dann merkt man, ich möchte überzeugen. Das drückt sich nicht nur in meiner Stimme aus, sondern auch in meiner Körperhaltung: Ich beuge mich leicht vor, meine Bewegungen sind schnell und erregt und in meinen Augen liegt ein gewisses gefährliches Funkeln, das sagt: Wenn du auch nur mit einer Kralle die Grenze übertrittst, wirst du es bereuen. Oder jedenfalls behaupten das die anderen Rudelmitglieder, ich selbst kann mir nämlich logischerweise nicht beim Sprechen zusehen. Überhaupt höre ich oft, dass meine Augen hübsch sind: Sie sind mandelförmig, stehen leicht schräg und leuchten in einem hellen Bernstein, das man fast schon Gelb nennen könnte. Die Pupillen sind immer katzenartig verengt. Na ja, die Augen sind wohl das Schönste an mir. Ansonsten sehe ich nämlich aus wie eine ganz normale schwarze Timberwölfin: buschige, biegsame Rute, rabenschwarzes Fell, das genau wie bei meinem Vater Bator und meinen drei Geschwistern nicht von störenden weißen oder hellgrauen Härchen durchsetzt ist, lange, schmale Schnauze, gelbliche Reißzähne und schwarze Spitzohren, die immer in Bewegung sind, auf der Suche nach möglichen Gefahren. Ich habe gelernt, meinen Kopf in einer würdevollen Position erhoben zu halten, meine Rute nie hängen zu lassen – denn das wäre ein Zeichen von Unterwerfung, und wem sollte ich schon unterworfen sein? – und nicht wie ein Welpe auf knackende Äste zu treten und über jedes mögliche Hindernis zu stolpern, sondern lautlos durch den Wald zu schleichen, mit fast katzenartigen Bewegungen. Ja, an mir erinnert tatsächlich Vieles an eine Katze. Aber dem Ersten, der mir das ins Gesicht sagt, kratze ich die Ohren ab! Klar?


besonderheiten;
Hab ich nicht schon erwähnt, dass ich eine ganz gewöhnliche schwarze Timberwölfin ohne allzu auffällige Merkmale bin? Oder stimmt auch mit deinen Ohren was nicht? Aber schön, Besonderheiten hat jeder, und ich hab auch Einige. Beispielsweise meine Augen. Es heißt, Augen sind der Spiegel der Seele, aber wenn das stimmen würde, dann wäre meine Seele erstaunlich vielseitig. Ich kann meine Gefühle vollkommen verbergen hinter einer Fassade aus Kälte, aber meine Augen können auffordernd blicken, traurig, glücklich, drohend (das kann ich am Besten)...ich kann meinen Blick willkürlich manipulieren. Das ist sehr praktisch. Und ansonsten, was ist Besonderes an mir? Nicht viel...Narben hat jeder Wolf im Rudel, das ist wirklich nichts Besonderes.


größe;
Ich bin ganz normal groß, was soll die Frage? Seit wann interessieren Wölfe sich dafür, wie viel ihre Schulterhöhe beträgt? Das ist Menschenzeug. Wenn es dich so interessiert, nimm ein Maßband und miss mich. Du wirst so ungefähr 80 cm rauskriegen.


gewicht;
Schon wieder so eine dumme Frage. Denkst du, ich hab eine Wage? Noch nie hat mich jemand gewogen, und das soll auch so bleiben. Ich bin sehr mager, wiege also weniger, als ein Wolf meiner Größe es eigentlich sollte, aber wie viel genau, das kann ich beim besten Willen nicht sagen.





Charakter


Du bist keiner von ihnen, feige stehst du da, dein Atem wird zu Rauchschwaden, die in unregelmäßigen Stößen aus deinem Mund kommen. Deine Augen starren blind in die Dunkelheit, doch sie sehen nicht die wirkliche Dunkelheit, sie sehen nur Schwarz, das Schwarz, das die Dunkelheit für die Unwissenden darstellt. Du hasst die Dunkelheit, und dieser Hass öffnet der Kälte Tür und Tor zu deinem Herzen, dass sie packt und nicht mehr los lässt. Mich lässt sie unberührt. Du warst noch nie, wie ich es war, du erfindest deine eigene bunte Welt, voller Wärme und Liebe, verschließt alle Sinne vor der Wahrheit, begreifst nicht, dass auch diese Wahrheit, so hart und kalt sie auch wirkt, schön sein kann, wenn man sie kennt und sie zu nehmen weiß. Ich weiß sie zu nehmen, ich billige sie, denn ich habe die Nacht selbst als Lehrmeister. Ich bin die Wahrheit, und die Wahrheit ist ich.


charakter;
Ehrlich mal, was fragt ihr für dumme Sachen? Lebt eine Weile im Rudel, dann findet ihr schon heraus, wie ich bin. Und so viel kann ich euch verraten, ich bin sicher nicht eine, die einem auf Anhieb alles über sich verrät, nur weil sie nett darum gebeten wird! Vor allem, da du dir im Klaren sein musst, dass jeder Wolf viel facettenreicher ist, als man ihn in einer stundenlangen Rede beschreiben könnte. Nicht einmal ich selbst kenne mich wirklich gut. Aber wenn ich mich beschreiben müsste, dann würde ich wohl hauptsächlich meine drei wichtigsten Charakterzüge erklären: Zuerst wäre da mein Jähzorn beziehungsweise mein Trotz und meine wilde Entschlossenheit. Entschlossenheit, allen zu beweisen, dass ich zu etwas gut bin. Dass man eine scharfe Zunge, aber trotzdem ein warmes Herz haben kann. Dass man stur wie ein Esel, aber trotzdem strategisch klug sein kann. Dass man sich nichts bieten lassen, aber trotzdem immer das Beste für das Rudel tun kann. Und solche Sachen eben. Ich wurde geboren mit dem unbändigen Willen, mich zu beweisen und allen zu zeigen, dass ich alles erreichen kann, wenn ich es nur wirklich will – obwohl niemand je daran gezweifelt hat. Na ja, manchmal fühlt es sich eigentlich eher an, als hätte ich eine Wut in mir, von der ich nicht einmal weiß, woher sie kommt – eine Wut, die nur darauf wartet, ausbrechen zu können. Ich kann ganz schön unberechenbar sein. Aber genau dieser Charakterzug gefällt mir an mir. Er macht mich zu etwas Besonderem, zu einem Wolf, den man respektieren muss, wenn man einen heilen Pelz behalten will. Meine Wut und meine rebellische Seite geben mir meine unerbittliche Entschlossenheit. Und Entschlossenheit braucht man, wenn man überleben und noch dazu Anführer eines Rudels sein will. Ja....das war eigentlich die Tendai, als die mich die meisten Rudelmitglieder sehen: Klug, eine brillante Strategin und starke, entschlossene Anführerin, aber auch eine jähzornige, unvorhersehbare, rebellische, wilde Wölfin, die kein Pardon kennt und bei der man nie weiß, woran man ist, und die eine flinke Zunge und beeindruckende Schlagfertigkeit besitzt. Ich bin mehr oder weniger freundlich, solange man nichts tut oder sagt, was mir gegen den Strich geht. Hier und da werfe ich vielleicht ein paar herausfordernde Bemerkungen ein, wirke aber nicht allzu aggressiv, wenn man mich nicht reizt. So präsentiere ich mich jedenfalls der Öffentlichkeit. Aber natürlich bin ich mehr als nur das. In diesem Punkt stimme ich mit dem alten Phelas, einem tattrigen alten Mitglied dieser unterbelichteten Daimon-Anhänger, ausnahmsweise zu: Jeder Wolf ist zu facettenreich, um ihm in einem einzigen Text gerecht zu werden. Beispielsweise könnte man, wenn man mich schlecht kennt, denken, ich hätte vor nichts Angst. Aber wenn man so ein Philosoph wie Phelas ist oder mir näher steht als andere Wölfe, dann weiß man, dass ich sehr wohl Angst habe. Mein ganzes Verhalten besteht aus der unbewussten Angst, übergangen und nicht ernst genommen zu werden. Das hört sich jetzt sehr extrem an, so, als sei ich verrückt....aber das bin ich nicht. Ich bin nur leicht zu reizen. Manche Wölfe – die Älteren aus dem Rudel – amüsieren sich köstlich, wenn sie mich mal wieder zur Weißglut getrieben haben und die strikten Regeln des Respekts gegenüber Älteren es mir verbietet, ihnen an die Kehle zu springen. Für sie bin ich nichts weiter als ein bockiger Jungwolf. Pah! Und genau das ist es, was ich hasse.
Aber natürlich bin ich nicht nur so...natürlich habe ich noch andere Seiten. Die zeige ich, wenn ich alleine bin. Oder wenn jemand bei mir ist, dem ich vertraue. Das war einst meine Mutter Flyne, die Gefährtin Bators. Und Bator selbst. Aber jetzt, wo sie tot sind, gibt es kaum noch jemanden, in dessen Gegenwart ich meine andere, sanftere Seite zeigen kann. Wobei die nicht wirklich sanfter ist, nur weniger grimmig. Am liebsten bin ich immer noch allein. Wölfe, die pausenlos plappern und deren Lieblingsthema „Ich“ lautet, kann ich nicht leiden. Aus der Körpersprache meines Gegenübers schließe ich viel mehr als aus seinen Worten: Die Stellung der Rute sagt mir, ob der Andere Angst vor mir hat oder sich mir überlegen fühlt (wobei ich Letzteres niemandem raten würde, der einen heilen Pelz behalten will) und der Körpergeruch des anderen gibt Auskunft über sein momentanes Befinden. Ich bin sehr genau im Beobachten, und meistens weiß ich sehr genau, wenn mich jemand nicht mag – und reagiere nach dem Motto „Wie du mir, so ich dir“. Aber na ja....wir wollten ja von meiner sanfteren Seite reden. Gut, tun wir das. Wie ihr gemerkt habt, spreche ich nicht gerne davon, erstens, weil ich sehr viel dafür getan habe, diese Seite zu verbergen, und zweitens, weil ich mir manchmal nicht sicher bin, ob es sie noch gibt. Manchmal, ja, wenn ein Rudelmitglied sich schlecht fühlt und Hilfe braucht, dann merke ich, wie hilfsbereit ich sein kann. Nie würde ich irgendeinen hilfsbedürftigen Artgenossen im Stich lassen. Nie würde ich mich mit einem Wolf anlegen, dem es schlecht geht. Nie würde ich anderen absichtlich Leid zufügen (mit Leid meine ich allerdings mehr, viel mehr als ein kurzer Biss in den Nacken, um meinem Gegenüber die Benimmregeln neu einzuprägen...). Und so etwas wie ein Gewissen habe ich durchaus. Viel zu viel Gewissen für meinen Geschmack. Es steht mir im Weg. Hindert mich daran, den anderen, die keine Skrupel kennen, wirklich ebenbürtig zu sein. Bei all meiner Wut, meiner Leidenschaft für die Selbstbehauptung, meiner Rebellion und meiner Energie...könnte ich, so wie einige meiner Feinde, wirklich einen anderen Wolf töten?
Niemals.


stärken&schwächen;
Habt ihr sie noch alle? Ihr müsst lebensmüde sein, einen freien Wolf, und noch dazu mich, so etwas zu fragen. Wenn ihr nicht aufpasst, was ihr sagt, wird es früher oder später ein böses Ende mit euch nehmen. Schließlich befinden wir uns im Krieg, ein Krieg auf zwei Fronten. Niemand würde da Persönliches ausplaudern. Meine Stärken und Schwächen machen mich angreifbar. Sie gehen niemanden etwas an. Aber schön...ihr wisst ja eh schon alles über mich...was ich gut kann also. Zu meinem Stolz kann ich sagen, dass das ziemlich viel ist. Erst einmal alles, das mit Sport und Bewegung zu tun hat. Ich bin eine exzellente Sprinterin mit beeindruckender Ausdauer, 50 Kilometer am Stück zu laufen ist gar kein Problem. Auch Kämpfen, Springen, Jagen – für alles scheine ich ein natürliches Talent zu haben. Mein schlanker schwarzer Körper ist biegsam wie eine Weidenrute. Es gibt wenige, die in diesem Gebiet mit mir mithalten können. Und auch in Sachen Klugheit....ich wage zu behaupten, dass mein Gehirn ziemlich gut funktioniert. Habe ich nicht eben erwähnt, ich wäre eine brillante Strategin? Das stimmt nämlich. Niemand kann mich austricksen. Und bei der Rehjagd fallen mir immer neue Techniken ein. Okay, das war es aber auch schon, oder? Was ich noch sehr gut kann, ist, mir Respekt zu verschaffen. Das muss man als Leitwölfin auch können.
Meine Schwächen sind nicht ganz so dünn gesät, das gebe ich zu. Aber lacht mich nicht aus – sonst verarbeite ich euch zu Hackfleisch. Waffenruhe hin oder her. Und genau das, denke ich, ist meine größte Schwäche: mein Jähzorn und meine Spontanität. Die können mich in schwierige Lagen bringen. Zum Beispiel, wenn ich so unvorsichtig bin und den Anführer eines anderen Rudels anfahre, als sei er ein Omega-Wolf. Oder wenn ich mich mit einem Altwolf anlege, nur weil er mich „Kleine“ genannt hat. Oder wenn ich das Reh, das eigentlich von einem anderen erlegt werden sollte, alleine erledige, weil dieser andere mich verspottet hat.Und...und so weiter eben. Eine weitere meiner Schwächen ist meine Ungeduld. Ich bin kein hyperaktiver Wolf, der die Pfoten nicht stillhalten kann, aber wenn jemand irgendetwas tut und ich darauf warte, dass er es tut, dann soll er sich gefälligst beeilen! Ich hasse Trödler oder Wölfe, die das Leben nicht ernst nehmen und denken: „Ja, ja, ich mach das später, das erledigt sich schon von allein.“ Und ich verliere auch mit Welpen sehr schnell die Geduld, bei aller Kinderliebe.


vorlieben&abneigungen;
Du stellst wirklich indiskrete Fragen, hat dir das noch niemand gesagt? Aber na schön, wenn du doch eh so gut über mich Bescheid weißt, kann es ja nicht schaden, wenn du noch mehr erfährst. Also, fangen wir damit an, was ich mag. Das ist viel. Am allerliebsten mag ich meine Ruhe. Andere Wölfe sind entweder respektlos, necken mich oder benehmen sich, als wüssten sie es besser, womit sie mich endlos nerven, oder sie sind so eingeschüchtert von mir, dass man ihnen nur „Ja“ und „Nein“ entlocken kann. Wie ich das hasse! Nicht, weil diese Wölfe mich nerven, sondern weil ich den Gedanken nicht mag, dass ich eine Tyrannin bin. Ich möchte keine Tyrannin sein. Ich möchte einfach nur eine respektierte Anführerin meines Rudels sein, die weder gefürchtet noch verspottet wird. Ist das denn so schwer?! Okay, eigentlich wollte ich ja sagen, was ich mag....das ist wie gesagt meine Ruhe. Alleine zu sein und Zeit zum Denken zu haben. Vor allem am Abend. Der Abend und die Nacht sind meine liebsten Tageszeiten, weil sich da die Luft auffrischt, die Hitze der Sonne allmählich abkühlt und, na ja...ich mag die Geräusche der Nacht. Das Zirpen der Grillen, die Stille. Und ich mag das goldrote Licht des Sonnenuntergangs. Wenn die Sonne untergeht und keine Rudeljagd geplant ist, lege ich mich oft auf den Felsen am großen Steinbruch und beobachte die Sonne so lange, bis sie gänzlich verschwindet. Das beweist jedenfalls, dass auch Hitzköpfe Sinn für Romantik haben. Allerdings nicht nur. Um das mal klarzustellen, ich bin wohl mit Abstand die beste Kämpferin des Rudels, und ich kämpfe und jage gerne. Rasante Abenteuer sind das, und ich habe genug Energie, um sie siegreich zu bestreiten.
Nun zu den Dingen, die ich nicht leiden kann. Davon gibt es viel – sehr, sehr viel: Angeberische Wölfe; Wölfe, die mir dumm kommen oder mich nicht respektieren; Behandelt zu werden wie ein hitziger Welpe; Wenn mir Sachen misslingen, die mir wichtig sind...eigentlich laufen diese Punkte alle darauf hinaus, dass man mich nicht respektiert. Das lasse ich nicht durchgehen. Niemand, der mich aufzieht, kommt mit heilem Pelz davon. Ja, ich kann meine Worte gerne noch unterstreichen und dir den Pelz zerreißen! Nein? Na schön, weiter. Was ich noch nicht mag...zugegeben, so viel ist das auch wieder nicht...okay, doch, eines gibt es noch. Menschen. Menschen und alle ihre Tiere. Ich trete schließlich in die Fußstapfen meines Vaters, und ich finde, er hat Recht – Menschen gehören ausgerottet. Daran arbeite ich. Ich hasse ihre stinkende Haut und ihre Gewehre, denn es ist eine unfaire Art zu töten: Mühelos und aus sicherer Distanz. Ich hasse ihre kläffenden und sabbernden Hunde, die in der Wildnis doch kaum einen Tag überstehen würden. Und alles, was sonst noch zu den Menschen gehört.


ängste;
Angst? Pass auf, ich zerfetzt dir gleich den Pelz! Wie kannst du es wagen, mich zu fragen, wovor ich Angst habe? Angst ist der größte Schwachpunkt, den ein Wolf haben kann. Ich werde dir nie, nie verraten, wovor ich Angst habe, und ich würde dir raten, nicht nachzubohren. Na gut – eine meiner Ängste habe ich dadurch schon preisgegeben: Die Angst, dass jemand meine Ängste errät und sie ausnutzt. Aber was für Ängste das sind, werde ich dir sicher nicht auf dem Silbertablett servieren.





Vergangenheit


Wenn die Nacht samtschwarz wäre, wenn die Dunkelheit dich wie eine leichte, warme Decke umhüllen würde und wenn der Nebel dich, statt dir die Sicht zu nehmen, nur kühl streifen würde? Wenn der modernde Geruch aus den Tiefen der Schatten vor deinen Augen zu frischer Nachtluft werden würde und wenn du zugeben müsstest, dass die Nacht nichts Bedrohliches ist, sie ist nur eine Tageszeit, so wie ich ein Wolf bin und der Mond ein Mond ist? Dann würden meine gefährlichen Sprüche ihre Wirkung verlieren.


familie&freunde;
Fangen wir mal mit meiner Familie an. Es war eine angesehene Familie, ich bin stolz, zu ihr zu gehören. Meine Eltern, Bator und seine Gefährtin Skye, gehörten einst zu den höchstrangigen Wölfen im Rudel. Sie haben die Zeiten des Sturmtief-Rudels noch erlebt, die glorreiche Zeit, als wir noch Mittel gehabt hätten, uns den Zweibeinern entgegenzusetzen. Ich habe Bator kaum gekannt, denn er starb, als ich und meine drei Geschwister Khan, Amun und Zori erst wenige Wochen alt waren. Nur flüchtig kann ich mich an feurige gelbe Augen erinnern, die auf mir ruhten, und an einen warmen schwarzen Pelz, der uns wärmte, wenn Skye einmal eine Auszeit von ihren Welpen brauchte. Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, Khan war ein liebevoller Vater. Und Skye...Skye war eine liebevolle Mutter. Sie brachte uns Fressen, ließ uns auf ihr herumturnen, leckte uns das Fell, alles. Aber sie spielte nicht mit uns und wenn wir stritten, mussten wir unsere Streitigkeiten selbst austragen. Das ist, denke ich, der Grund, warum ich heute eine so wilde, unberechenbare junge Wölfin bin. Als einziger weiblicher Welpe des Wurfs wurde ich von meinen drei Brüdern ständig gehänselt und brannte darauf, mich ihnen zu beweisen. Ich tat alles, um mit ihnen mitzuhalten, und schaffte das bald allzu gut. Vor allem, da die meisten Rudelmitglieder mich wegen meines Aussehens respektierten: Ich war der einzige Welpe im Wurf, der Bator ähnlich sah. Oder besser: Der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten war. Mein Bruder Khan war silbergrau wie unsere Mutter Skye, Amun war sehr hell grau-cremefarben gescheckt und Zori, der kleinste Welpe im Wurf, war schokoladenbraun.
Und nun zu meinen Freunden...hm, na ja. Freunde. Also bitte. Um es kurz und knapp zu sagen: Ich habe keine! Und ihr braucht nicht entsetzt oder mitleidig dreinzuschauen, denn ich will auch keine! Die anderen Wölfe sind nichts für mich und ich bin nichts für sie, ich habe also nie wirklich angefangen, nach so etwas wie Freunden Ausschau zu halten. Der Einzige, dessen Freundin ich vielleicht bin, ist dieser bekloppte alte Phelas von Bators Schar – wobei das wirklich nicht gegenseitig ist, denn er ist nicht mein Freund! Warum er Gefallen an mir zu finden scheint, ist mir nun wirklich schleierhaft. Ich tue alles, um seine Feindin zu sein, und er behandelt mich immer noch so, wie ein wohlwollender Altwolf einen wütenden Welpen behandelt.


vergangenheit;
Diese Fragen werden allmählich zu persönlich für mich...was interessiert euch bitte meine Vergangenheit? Reimt sie euch doch selbst zusammen und zieht Leine, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit! Ihr wisst ja eh schon Bescheid! Vor drei Jahren wurde ich zusammen mit drei Geschwistern geboren, wenige Wochen darauf starb mein Vater, irgendwann im Laufe der Jahre folgte ihm der Rest der Familie und irgendwie wurde ich Leitwölfin des Rudels, Punkt, fertig. Aber eigentlich....na ja. Vielleicht sollte ich ja wirklich ein bisschen offener sein. Okay, ich bin mal so frei und erzähle euch meine Vergangenheit genauer, aber ihr behaltet es für euch. Und wehe, wenn...
Ich kann mich so gut wie gar nicht an meine Welpenzeit erinnern. Nur Gerüche oder Gefühle sind mir geblieben. Ich erinnere mich noch an die Todesangst, als das gesamte Rudel in jener verhängnisvollen Herbstnacht, in der wir unsere Anführer verloren, im Welpenbau zusammengekauert war, im Zwielicht, und als oben vom Hochplateau Schüsse und Hundegebell erklangen. Ich erinnere mich daran, dass es so eng war, dass einige Körperteile der äußersten Wölfe aus dem Bau rausguckten und meine Mutter Skye die einzige war, die genug Platz hatte, um frei zu atmen – das Rudel nahm Rücksicht auf sie, weil sie Welpenmutter war. Ich erinnere mich an die drückende Stille, die über uns lastete, und daran, wie mein Brüderchen Zori eine übergebraten bekam, als er kurz quiekte. Aber wie es so genau weiterging, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass Skye lange Zeit sehr traurig und ernst war und kaum noch lächelte, und dass wir erst später, als wir groß genug waren, um es zu verstehen, vom Tod unseres Vaters erfuhren. Ansonsten verlief meine Welpenzeit relativ ereignislos wie die eines jeden Welpen. Ich bekam wenig mit von dem Streit, der zwischen den Rudeln entbrannte, und davon, wie diese sich allmählich immer weiter voneinander entfernten. Als unsere Mutter und drei weitere Mitglieder des Rudels uns am Nacken packten und uns viele Kilometer weit bis zum neuen Rudelplatz der Anhänger Bators trugen, wussten wir nicht, was los war. Wir waren noch so klein.
Mit ungefähr einem Jahr kam die Zeit unserer ersten Jagd. Wir hatten uns alle darauf gefreut, doch es sollte eine Katastrophe werden. Skye, Khan, Amun, ich und Zori brachen gemeinsam mit dem damals bereits 8-jährigen Leitwolf Ethel auf, um unser erstes Huftier zu erlegen. Ich erzähle diese Passage jetzt so genau, weil ich mich an jeden Atemzug erinnere, den ich während der Geschehnisse getan habe, und dies war der Moment, der mein Leben für immer veränderte.
„Es riecht nach Elch“, erklang Zoris sehr bestimmte Stimme von ganz hinten, und wir alle wirbelten herum. Es war früher Morgen, die Sonne leuchtete golden vom Himmel und der feuchte Morgennebel schimmerte und benetzte in Form von glitzernden Tautropfen unseren Pelz. In einer Reihe waren wir dahingezogen, in Richtung Karibu-Knick, wo die meisten Huftiere zu finden waren: Ethel vorneweg, dann Khan, Amun, ich, Zori und Skye als Schlusslicht. Und jetzt war Zori stehen geblieben, hielt die Nase in die Luft und witterte aufmerksam. Khan, der größte und draufgängerischste meiner Brüder, witterte ebenfalls. „Quatsch“, knurrte er. „Mit deiner Nase ist was nicht in Ordnung, Winzling. Ich rieche nur Farnkraut.“ - „Weil du Farnkraut nicht von Beute unterscheiden kannst“, spottete Zori, dann wurde ihm klar, was sein Bruder gesagt hatte. „Winzling? Spinnst du? Entschuldige dich, wenn du einen heilen Pelz behalten willst....“ Mir reichte es. Ich verschloss die Ohren vor dem Gekabbel meiner Brüder und sog tief die Morgenluft ein, dann wandte ich mich aufgeregt an Zori und Khan. „Ihr könnt aufhören, euch zu kabbeln wie neugeborene Welpen an den Zitzen. Es riecht wirklich nach Elch.“ Unsere erste Jagd! Gute Güte, war ich aufgeregt. Ich konnte kaum stillhalten. Wir hatten zwar schon Anschleichtechniken und Umkreisen der Beute trainiert, aber das waren Trockenübungen gewesen.
„Okay“, erklang jetzt Ethels Stimme von vorne. „Psst. Seid still. Elche haben gute Ohren. Wir gehen jetzt auseinander, bis jeder in jede Richtung mindestens zwei Meter Platz hat, und dann versuchen wir, den Elch zu orten.“ Wir machten, was er sagte. Der Geruch war dort, wo ich stand, am intensivsten, und ich schnüffelte aufgeregt, um jede noch so kleine Information aus der Luft zu klauben. „Nahe“, wisperte ich. „Sehr nahe. Ist da ´ne Lichtung oder so?“ Ethel nickte knapp, dann befahl er uns, uns aufzuteilen und um das Wäldchen, das die Lichtung umrandete, einen lockeren Halbkreis zu bilden. Wir taten wie geheißen, unsere Muskeln bebten vor Spannung. Langsam, sehr langsam entfernten wir uns voneinander, schlichen durch den Farn. Ich konnte nicht weit rechts von mir einen leisen Fluch Zoris hören, als dieser auf einen knackenden Zweig trat. Der ganze Wald schien zu schweigen, und ich sah schon Licht durch die Bäume schimmern – gleich dort vorne war die Lichtung, von der Ethel gesprochen hatte....
Und kurz darauf tauchten wir alle gleichzeitig aus dem Gebüsch um den Elch herum auf – lautlose, schleichende, angespannte Schatten. Bevor der große Paarhufer begriff, wie ihm geschah, hatten wir ihn umstellt. Nervös hob der Elch den Kopf, röhrte leise und schwenkte drohend das Geweih. Mir fiel auf, dass es von einer sehr dünnen, durchsichtigen Pelzschicht bedeckt war. Es sah weich aus. „Okay“, knurrte Ethel jetzt grimmig. „Wartet ab, was er macht. Wenn er flieht, folgen wir ihm, ansonsten müssen wir ihn dazu bringen, das er flieht. Wenn er angreift, weicht ihm aus und greif selbst von hinten an, um ihm Beine zu machen. Er muss uns auf jeden Fall den Rücken zuwenden!“ Und wir taten wie geheißen, denn selbst mir flößte Ethel, unser altehrwürdiger Leitwolf und langer Bekannter und Vertrauter Bators, großen Respekt ein. Kurz standen wir da und starrten den Elch an. Der Elch starrte uns an. Dann, als wir schon eine ganze Weile dagestanden und mit dem Elch mörderische Blicke getauscht hatten, sprang Ethel überraschend nach vorne. Er jaulte oder kläffte nicht. Er warf sich einfach auf den Elch, zwickte ihn in die Flanke, sodass der Elch laut röhrend herumwirbelte, und knurrte uns zu: „Bewegt euch!“ Langsam, zögernd, als würden sie aus einem Traum erwachen, traten meine Brüder vor. Zu langsam. Ich war schon längst an ihnen vorbeigeschossen. Mein erste Jagd durfte nicht schiefgehen. Mit Schwung warf ich mich auf den Elch, grub meine Zähne in eines seiner Hinterbeine und schüttelte mich knurrend, um die Beute aus dem Gleichgewicht zu bringen. Es klappte aber nur fast: Der Elch wankte, röhrte laut, dann wirbelte er herum und schlug so unerwartet mit dem Bein aus, dass ich einen Salto schlagen musste, um dem tödlichen Tritt zu entkommen. Sofort sprang Khan vor, verbiss sich in der Schulter des Elches, fiel herunter und flitzte unter dem Bauch des großen Tieres durch, um es zu verwirren. Gleichzeitig tänzelte Skye, meine Mutter, aufreizend vor ihm hin und her. Brüllend senkte der Elch das Geweih und rammte damit nach Skye, die flink wie eine Katze zur Seite auswich und sich dann auf das Geweih des Elches stürzte. In wenigen, präzisen, schnell ausgeführten Bissen hatte sie dem Geweih mehrere Kerben beigebracht. Mein Bruder Amun wollte ihr helfen, aber als er zubiss, erwischte ihn eine der Hornspitzen des Elchgeweihs im Bauch, und würgend taumelte Amun weg, um wieder zu Atem zu kommen.
Ich war inzwischen auch wieder auf den Beinen und rannte Seite an Seite mit Ethel im Kreis um den Elch herum, was diesen ziemlich verwirrte. Als Ethel sich dann auch noch vor ihm aufbaute und nach seinem empfindlichen Maul schnappte, reichte es dem Elch: Mit einem wilden Aufröhren drehte er sich um, sah sich dem knurrenden Khan gegenüber, drehte sich erneut um und begegnete dem funkelnden Blick von Skye, drehte sich noch einmal um und musste vor Amun zurückweichen, der sich sprungbereit duckte: Er war umzingelt. „Wir haben ihn“, flüsterte Ethel, „jetzt müssen wir...“ Aber er kam nicht weiter. Genau in dem Moment, in dem der Elch sah, dass wir durch Ethels Worte abgelenkt waren, versuchte er es erneut. Mit einem flinken Satz, den wir dem großen, schweren Tier gar nicht zugetraut hätten, brach er zur Seite aus und begrub fast Khan hinter sich, der gerade noch rechtzeitig auswich. Und dann stürmte der Elch unter lautem Röhren in den Wald hinein. Ethel sprang auf die Pfoten und schoss hinter ihm her, bevor wir Anderen die Zeit gehabt hatten, zu begreifen, was los war. Zori folgte ihm als Erster. Hinter ihm kamen wir. Deshalb sahen wir genau, wie Zori Ethel überholte, dem Elch immer näher kam, immer näher – trotz einem Warnruf von Ethel, er solle auf die Tritte aufpassen – und dann mit einem eleganten Satz direkt auf den Rücken des Tieres segelte, wo er sicher landete, sich niederkauerte und die Zähne in das Fleisch des Elches schlug, der vor Schreck einen hasenartigen Haken schlug und in eine andere Richtung davonraste. Gebüsche zerbrachen krachend unter seinen mächtigen Hufen. „NEIN! Zori!“, jaulte Skye auf. Später hat Ethel mir erklärt, warum sie „Nein“ schrie: Um sich auf dem Rücken eines galoppierenden Elches zu halten, müsste man entweder ein Rodeoreiter sein oder der größte und schwerste Wolf im Rudel. Ein solches Leichtgewicht wie Zori, den ein Lufthauch wegwehen konnte, hatte überhaupt keine Chance. Er würde in den Tod stürzen, wenn der Elch nicht anhielt. Ethel verfolgte den Elch, dicht gefolgt von mir und Skye, und Khan und Amun kamen als Letzte. Wie lange wir rannten, wussten wir nicht, aber irgendwann waren wir und der Elch erschöpft. Und das war genau der Moment, in dem wir die letzten Bäume hinter uns ließen und auf das Hochplateau hinausrannten.
Das Hochplateau ist sehr hoch. Und sehr steil. Nicht so hoch, dass man es wirklich „Schlucht“ nennen könnte, und nicht so steil, dass man nicht hinaufklettern könnte, aber wenn ein Wolf oben einen falschen Tritt macht, kann es sein, dass er die ganze Schlucht hinunterpurzelt – und das kann durchaus mit dem Tod enden. Deshalb bremsten wir automatisch alle ab, als die unheilverkündende Felskante und die gähnende Leere des Abgrunds dahinter in unser Blickfeld kam. Alle – außer Skye. Unsere Mutter war so klug. Sie hatte die Gefahr sofort erkannt, und bevor wir begriffen, was sie da machte, beschleunigte sie, als hätte sie Flügel an den Pfoten, überholte beinahe mühelos den Elch und baute sich dicht am Rand der Schlucht auf – vor ihm. Erst da begriffen war. Skye wusste, dass ein panischer Elch überall hinrennen würde, ohne zu schauen, er würde auch sich selbst in den Abgrund stürzen, samt Zori. Skye wollte den Elch so erschrecken, dass er kehrt machte, um ihren Sohn zu retten. Aber leider misslang ihr Plan. Der Elch stürmte weiter.
Er sah Skye noch und versuchte zu bremsen, aber seine Hufe schlitterten ungebremst über die glatte Oberfläche des Plateaus und er wurde herumgerissen, so dass er Skye die Seite zuwandte. Das, was danach geschah, weiß ich nicht genau, denn ich war zu entsetzt, um wirklich zu registrieren, was vor sich ging. Ich weiß noch Folgendes: Der Elch stellte soch quer – ein Ruck durchlief ihn dabei, und mit einem Aufschrei flog Zori von seinem Rücken hinunter und landete im nahen Gebüsch – Skye versuchte noch zurückzuweichen, aber hinter ihr war nur Luft – der Elch krachte seitlich in sie hinein, und mit einem zweiten furchtbaren Schrei fielen die beiden in die Schlucht. Man hörte nur noch das Krachen und das Geprassel der Steinchen, die ihnen hinterherrollten. Dann war alles still, viel zu still. Vorsichtig stahlen wir uns an die Kante heran, als würden wir uns an Beute anschleichen. Unten lag in einer ziemlich verrenkten Position der leblose Körper des Elches, und halb unter ihm ein kleines, silbergrau-weißes Fellbündel. Mit ausdruckslosem Gesicht starrte ich nach unten. Ich fühlte mich hohl, so, als wäre etwas aus meinem Inneren gerissen worden, das sich dort befand, seit ich geboren worden war, etwas, das ich nicht entbehren wollte, und....ach, Quatsch. Was erzähle ich da für eine Gefühlsduselei? Wie ich mich fühlte, geht euch verdammt noch mal gar nichts an. Also weiter im Text. In dem Moment ertönte ein Knacken und Rascheln hinter uns, und Zori, das Fell voller Zweige, Dornen und Blätter, kämpfte sich aus einem Busch. Er kratzte sich und versuchte vergeblich, die Zweige loszuwerden. „Du hast das halbe Gebüsch im Pelz“, murmelte ich, aber die Lust daran, meinen kleinen Bruder zu necken, war mir gründlich vergangen.
Zori anscheinend nicht. Er hatte noch nicht verstanden, was los war, trabte verwirrt zur Felskante und bemerkte dabei, bevor er unten Skyes geschundenen Körper entdeckte: „Sehr hilfreich.“ Und da war das Maß voll. Ich glaube, ich war schon immer etwas grimmig und hatte viel Temperament, aber richtig schlimm wurde ich erst nach Skyes Tod. Ich richtete mich zu meiner vollen Größe auf und knurrte laut. „Verdammter Idiot!“, zischte ich. „Es ist deine Schuld – es ist alles deine Schuld!“ Und als Ethel begann, etwas Tröstendes zu sagen, fuhr ich ihn an: „HALT DIE KLAPPE! Du hast keine Ahnung!“ Dann wirbelte ich herum und stolzierte davon, wobei ich mich fühlte, als hätte ich meine Seele irgendwo auf dem Weg liegengelassen und wäre jetzt nur noch eine traurige Hülle.
Ich hatte Ethel angebrüllt. Ich hatte unseren Leitwolf angebrüllt. Einfach so. Ich glaube, das war der Moment, in dem Ethel klar wurde, dass ich wohl eine gute zukünftige Leitwölfin für das Rudel sein könnte.

Die darauffolgende Zeit war nicht so schön, für niemanden. Khan und Amun, na ja, die beiden waren schon immer hart, und sie überstanden es ganz gut, auch wenn sie stiller und ernsthafter wurden und sich kaum noch neckten. Sie ließen das Thema „Skye“ bald ruhen und dachten an andere Dinge. Aber Zori, der an allem schuld war, und ich, das einzige weibliche Geschöpf des Wurfes – wir waren ehrlich betroffen. Wie Zori mit seiner Schuld fertig wurde, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass mir der Gedanke Kraft gab, dass ich stark sein musste. Dass ich meine Schwäche nicht zweigen durfte. Dass ich mich benehmen musste wie Khan und Amun, so tun musste, als gehe mich der Verlust meiner Mutter nichts an, denn sonst würden meine Brüder mich wieder necken, und mein Ruf als „harte Wölfin“ wäre ruiniert. Ich wollte meinen Brüdern wie immer eine Nasenlänge voraus sein, egal, ob ich dabei herzlos erschien oder nicht. Und da war noch etwas, das mir Kraft gab: Ethel. Ich glaube, für ihn war ich so was wie eine adoptierte Tochter, aber dennoch eine Tochter. Er brachte mir alles bei – nicht nur das, das jeder Jungwolf wissen muss, nämlich Jagen, Kämpfen und dem Leitwolf gehorchen, sondern auch....Diplomatie. Wie man sich Respekt verschafft. Taktik. Strategisches Denken. Alles, was ein zukünftiger Leitwolf wissen muss. Und das brachte Ethel nur mir bei. Ich glaube, er liebte mich wirklich wie ein Vater, und auch wenn es so aussah, als würde ich diese Liebe nie erwidern – ja, als würde ich ihn regelrecht hassen – habe ich ihn auch gerne gemocht, diesen klugen alten Wolf, der für jede Beleidigung eine schlagfertige Antwort parat hatte (und ich weiß das sicher, denn ich habe alle ausprobiert, die mir einfielen). Unsere ständigen Streitigkeiten waren eher liebevolle Neckerei. Und, na ja, so verging die Zeit. Ein Jahr nach Skyes Tod dachte ich zwar immer noch oft an sie, aber ich trauerte ihr nicht mehr so nach, ich fand mich mit dem Gedanken ab, dass ich und meine Brüder auf uns alleine gestellt waren. Eigentlich hätte das Leben so weitergehen können, und dank Ethels Lektionen wurde mir nie langweilig. Die Erziehung der Jungwölfe ist eigentlich Aufgabe des Babysitters, aber bei mir übernahm es Ethel.
Und dann geschah es wieder.
Diesmal war Zori dran. Und diesmal war es meine Schuld. Oh Ironie des Schicksals.
Es war an einem strahlenden Sommermorgen. Die Sonne leuchtete hell und warm, Bienen summten im Gras und die ganze Welt wirkte so friedlich, dass man hätte denken können, alles wäre okay. Aber das war es nicht in unserem Rudel, schon lange nicht mehr. Es gab kaum Beute; Die Rehe und Hirsche waren alle der Flinte der Zweibeinerjäger zum Opfer gefallen, die Elche, Bären und die anderen größeren Tiere hatten sich auf der Flucht vor den Menschen tiefer ins Gebirge zurückgezogen, und unser Rudel litt Hunger. Mitten im Sommer. Vielleicht erwähnte ich es schon – Ironie des Schicksals. Das Schicksal verfügt in der Tat über eine ganz schön grausame Ironie. Jedenfalls – der Hunger war so schlimm, dass wir anfingen, quer durch das Niemandsland zu wandern und in das Territorium der Menschen einzufallen. Ich weiß, das war riskant, aber ich fand es richtig. Was die Menschen uns gestohlen haben, dachte ich, das stehlen wir uns zurück. Also rissen wir Hühner, Schweine, Kühe, Schafe, Ziegen, Kaninchen und alle anderen Nutz- und Haustiere, die wir fangen konnten. Ziemlich oft gab das Ärger mit den Hofhunden, und zweimal hat mich fast ein Zweibeiner erwischt. Einmal hätte mich fast eine Kugel getroffen. Aber irgendwie hatten wir bis jetzt immer unseren Pelz gerettet. Und, na ja, jetzt waren wir wieder auf Raubzug, diesmal nur ich und Zori. Zori wollte am Anfang gar nicht mitkommen, aber ich wusste wohl, dass sowohl Khan als auch Amun zu vernünftig waren, um mitzukommen, und dass es alleine viel zu gefährlich wäre, Schafe zu reißen – vor allem, da ein einzelner Wolf kein ganzes Schaf quer durch das Niemandsland zum Rudelplatz schleppen kann. Nein, Zori musste mit. Nach langem Hin und Her schaffte ich es tatsächlich, ihn zu überreden, und wir zogen am frühen Morgen los, als es noch dunkel war. Als wir bei der ersten erreichbaren Schafweide ankamen, war es später Morgen, fast Mittag.
„Das gefällt mir nicht“, wiederholte Zori noch einmal laut und wäre umgekehrt, wenn hinter ihm nicht ich gestanden wäre und ihm breitbeinig den Weg abgeschnitten hätte. „Komm schon, Zo“, versuchte ich es. „Willst du vor dem gesamten Rudel als Feigling dastehen? Ist doch nichts dabei. Die Zweibeiner sind eh viel zu vertrottelt, um mitzubekommen, dass ein Tier fehlt.“ Sie waren es aber leider nicht. Vertrottelt, meine ich.
Am Anfang schien alles glatt zu gehen: Ich und Zori schlüpften lautlos unter dem Zaun durch und pirschten uns durch das Gras. Schafjagd ist sooo einfach. Eigentlich ist es keine Jagd, eher ein Festmahl. Menschen nennen sowas Dosenjagd. Na ja, wie auch immer. Wir brauchten uns gar kein Tier auszusuchen, denn egal, welches wir rissen, wir würden keine Mühe dabei haben, es zu töten. Also entschieden wir uns für ein junges, etwas kleineres Schaf, das für uns Beide am leichtesten zu schleppen sein würde. Die Jagd ging schnell. Und leicht. Kaum hatten wir es ausgesucht, stellte Zori sich zwischen das Schaf und seine Herde, sodass es sich nicht in Sicherheit bringen konnte. Ich jagte das Schaf nur kurz, bevor ich es mit der Schulter rammte, es am Boden festhielt und ihm die Kehle durchbiss. Das Ganze ging so schnell, dass der Schäferhund auf der anderen Seite der Weide uns erst bemerkte, als wir uns genüsslich schnüffelnd über den Kadaver des Schafes beugten.
Ja, der Schäferhund. Wir kannten ihn sehr gut – vor allem ich. Die Tatsache, dass er nur noch ein Ohr und einen ziemlich angeknabbert aussehenden Ohrstumpf besaß, hatte er nämlich mir zu verdanken. Entsprechend wütend reagierte er, als er sich drüben am anderen Ende der Weide aufrappelte, um nach dem Rechten zu sehen, und ihm mein Geruch entgegenschlug. Weil er so weit weg von der Herde im Gras gelegen und gedöst hatte, hatten wir seine Anwesenheit völlig übersehen. Erst, als er laut kläffend auf uns zuraste, gefolgt von einem zweiten, jüngeren Hund, den sein Besitzer sich vor knappen zwei Tagen angeschafft haben dürfte, als er bemerkte, dass sein alter Hund dem viehfressenden Wolf alleine keinen Einhalt gebieten konnte. Sobald wir das zweistimmige Gebell hörten, fuhren wir auf, als hätte uns etwas gestochen, denn wo Hunde bellen, sind Menschen nicht weit. Kurz standen wir da wie erstarrt. „Ich hab dir doch gesagt, dass das uns nur Ärger macht!“, flüsterte Zori, der nervös auf seiner Lefze herumkaute. „W-was machen wir jetzt?“ Der Blick, den er mir zuwarf, war zwar verschwommen vor Angst, aber vertrauensvoll, als wüsste er, dass ich ihm aus der Patsche helfen würde. Ich werde diesen Blick nie vergessen. „Ach, sei doch kein Angsthase“, knurrte ich und versuchte gelassen zu klingen, obwohl jeder Muskel meines Körpers kampfbereit angespannt war. „Das sind nur ein paar dumme Köter. Und wir sind Wölfe! Sie haben uns nichts entgegenzusetzen.“ Und ich wollte noch etwas sagen, aber in dem Moment traf mich etwas Schweres mit Schwung in die Flanke und ich verlor den Boden unter den Pfoten. Einohr, der Hund, hatte mich so heftig gerammt, dass wir gemeinsam durch die Luft wirbelten und dann mit einem schweren Aufprall nebeneinander im Gras landeten. Sofort gingen wir erneut aufeinander los, ohne aufzustehen oder noch einmal Luft zu holen. Ich spürte den brennenden Hass, mit dem der Hund kämpfte – fortan werde ich ihn Einohr nennen – und ich wusste, dies war seine Rache. Aber, ha!, mein Ohr würde der Kerl nicht kriegen. Ich war ihm zu schnell. Glitt unter ihm weg, wenn er zubeißen wollte. Sprang ihn an, biss zu und rollte mich dann elegant ab, bevor er zurückbeißen konnte. Wich seinen Angriffen aus und warf ihn zu Boden. Einohr hatte mir zwar etwas entgegenzusetzen, aber es war nicht sonderlich viel. Er war nur besser ernähert und viel wütender und verbissener als ich, mehr nicht.
Irgendwann schaffte es Einohr doch, mich zu Boden zu werfen. Ich warf ihn sofort ab und rappelte mich auf, aber aus unserem Kampf war die Luft raus, und wir waren beide so außer Atem, dass wir nur dastanden, uns feindselig anstarrten und heftig keuchten. Wenn Blicke töten könnten, wären wir beide jetzt mausetot umgefallen. „Na, Einohr“, keuchte ich und schaffte es, meiner Stimme einen höhnischen Ton zu geben. „Was hast du denn mit dem Ohr gemacht, das ich dir abgebissen habe? Hast du es begraben?“
Einohr knurrte wölfisch. „Das wird dir noch Leid tun, Schwarze.“
„Meinst du?“, spöttelte ich und fing an, aufreizend vor Einohr auf und ab zu tänzeln. „Wieso sollte es denn? Willst du mir auch ein Ohr abbeißen, ja, damit du einen Ersatz hast?“ Und das brachte für Einohr das Fass zum Überlaufen. Er heulte auf und stürzte sich auf mich. Ich wich ihm spielend leicht aus, denn ein Hund, der blind vor Wut ist, ist ein noch schlechterer Kämpfer als ein Hund mit kühlem Kopf. Während ich auswich, warf ich einen beiläufigen Blick in Zoris Richtung, um zu sehen, wie mein Bruder zurechtkam. Und...na ja...ich sah es. Zori. Am Boden. Mein Bruder strampelte wild, aber er war viel magerer und kleiner als der Hund, der über ihm stand und ihn unerbittlich am Boden festgenagelt hatte. Kurz stand ich wie erstarrt. Dann preschte ich los, Einohr mühelos hinter mir lassend, in Zoris Richtung. Meine Pfoten schienen zu fliegen. Hinter mir hörte ich Einohr kläffen wie einen Verrückten, aber er mir egal, er war mir sowas-von-verdammt-noch-mal-egal. Zori.... „Halt durch!“, jaulte ich. Ich hatte meinen Bruder fast erreicht – nur noch ein paar Sprünge, und ich wäre bei ihm, würde den Hund von ihm runterreißen und Zori auf die Beine helfen, sodass wir fliehen konnten...
Aber gerade als ich Zoris Peiniger ins Gesicht knurrte und zum Sprung ansetzte, passierte sehr viel hintereinander: Ein Zweibeiner schrie etwas, Einohr hinter mir blieb stehen, und bevor irgendjemand von uns den Kopf drehen konnte, knallte es so laut, dass ich zusammenzuckte. Der stechende Geruch nach Schießpulver und etwas Verbranntem kitzelte meine Nase, aber ich spürte keinen Schmerz: Verfehlt. Kurz sah ich mich um, entdeckte den Zweibeiner, der, so schnell ihn seine unbeholfenen zwei Beine trugen, auf uns zustolperte, ein Gewehr in der Hand. Jetzt wedelte er mit der Hand und rief etwas, das an seine Hunde ging, es hörte sich an wie „Come here!“ oder so, und es klang sehr wütend. Sofort verstummte das aufgedrehte Gebell der beiden Hunde und sie machten kehrt, um zu ihrem Besitzer zurückzujagen. Ich wirbelte zu Zori herum. Mein kleiner Bruder kauerte mit halb geschlossenen Augen am Boden, und aus einer Bisswunde in seinem Nacken sickerte ein dünnes Rinnsal Blut, dunkel auf seinem hellen Fell. Ich wollte zu ihm. Ihm sagen, wie leid es mir tat, ihn zu dieser Verrücktheit überredet zu haben. Ihm aufhelfen, mit ihm fliehen. Aber wieder schrie der Schäfer etwas, das sich anhörte wie „Bloody bastards!“, und dann ging ein wahrer Kugelhagel los. Es knallte ohrenbetäubend, der Geruch nach Verbranntem erstickte mich fast, und neben mir spritzten Erde und Gras auf. Eine Kugel landete direkt vor meinen Pfoten und eine schwirrte an meinem Kopf vorbei. Es gab keine einzige Kugel, die mich nicht knapp verfehlt hätte.
Da brannten bei mir die Sicherungen durch. Ich hasse diese Gewehre, sie jagen mir panische Angst ein, und so war es auch dieses Mal. Ohne weiter darüber nachzudenken, riss ich die hellen Augen weit auf, erstarrte kurz, riss meinen Körper dann auf der Hinterhand herum wie ein Pferd beim Rodeo und jagte davon wie ein schwarzer Schatten. Meine Beine arbeiteten, arbeiteten. Sie schienen zu fliegen, den Boden nicht zu berühren. Verschwommen sah ich das Grün der Wiese an mir vorbeijagen und sah, wie Schotter und Erdklumpen unter meinen Pfoten aufspritzten, und da war der rettende Zaun, der Zaun...ich hielt direkt auf ihn zu, setzte zum Sprung an und überwand den Zaun mühelos. Auf der anderen Seite landete ich weich wie eine Katze und rannte sofort weiter, ohne Verschnaufpause, so weit weg, wie es ging. Ich rannte nicht nur vor dem Gewehr weg. Ich rannte auch vor meiner Schuldigkeit weg, versuchte, mein schlechtes Gewissen abzuhängen. Aber es klebte an mir. Hinter mir erklang erneut ein Schuss, ein einzelner. Ich verschloss die Ohren, wollte den Todesschrei nicht hören, aber ich hörte ihn trotzdem. Und auch das laute, triumphierende Gebell von Einohr hörte ich. Zori, konnte ich nur denken. Zori...tot. Und diesmal war es ganz allein meine Schuld.

Na ja, ich hab eh schon viel zu ausführlich und lange erzählt, jetzt muss ich mich also kurz fassen. Sonst quellen euch meine Worte zu den Ohren raus. Ist eh besser, ich erzähl nicht so gerne das herum, was danach kam. Als Zori starb, war ich zwei Jahre alt, und nur wenige Wochen später.....na ja. Nur wenige Wochen später folgte ihm Ethel. Ethel, mein zweiter Vater und der altehrwürdige Leitwolf des Rudels. Er hatte immerhin ganze acht Jahre gelebt, für einen Wolf ist das viel, wenn man all die Gefahren bedenkt, die Ethel überstehen musste. Und er hatte einen schönen Tod, einen natürlichen Tod. Eines Abends schlief er zusammen mit dem Rudel ein und wachte morgens nicht wieder auf. Ich war wirklich verzweifelt, auch wenn ich wusste, dass Ethel nicht wollte, dass ich mich von meinen Gefühlen überwältigen ließ: „Bewahr einen kühlen Kopf und denk positiv“, sagte er immer. Und das versuchte ich. Ethel war so gestorben, wie er es wollte: Nicht als Opfer eines Zweibeiners und nicht sonderlich dramatisch, sondern friedlich, ruhig. Und genau so will ich auch irgendwann sterben, wenn ich sehr sehr alt geworden bin. Na ja. Jedenfalls musste das Rudel einen neuen Leitwolf wählen, und ich kann stolz sagen, dass ich bei allen die erste Wahl war, wegen meiner Ähnlichkeit zu Bator.
Khan, mein Bruder, wollte anfangs auch Leitwolf werden, aber er beharrte nicht lange darauf, denn weder er noch ich wollten gegeneinander kämpfen. Also überredete Khan Amun, mit ihm zusammen das Rudel zu verlassen. Alte Dickköpfe. Ich glaube, sie wollten ein Eigenes gründen, und Khan wollte der Leitwolf und Amun der Betha sein...wie auch immer. Kindsköpfe. Es war kein trauriger Abschied, denn im Gegensatz zum Rest meiner Familie starben die beiden nicht, und obwohl ich sie liebte, hatte ich mich nie sonderlich gut mit ihnen verstanden. Außerdem passiert es in jedem Rudel, dass Jungwölfe ausziehen, um woanders ihr Glück zu suchen. Das ist kein Drama und keine Tragödie. Und, na ja, ich bewahrte einen kühlen Kopf, wie Ethel mir gesagt hatte. Seitdem bin ich die unbestrittene Leitwölfin der Anhänger Bators.





Außerhalb des Rollenspiels


Als Kind der Nacht für immer gemieden, gemieden und gehasst wie die Dunkelheit selbst. Und vielleicht bin ich das ja auch? Ein kleiner Fetzen Dunkelheit, der sich gelöst hat von der Nacht und nun auf Erden wandelt, ein Kind der Finsternis, das seiner Mutter untreu wurde, ein verlorenes Mitglied der nächtlichen Gefilde. Doch wofür du mich hältst, einzig das bin ich nicht. Ich bin kein Lügner und kein Dieb, ich töte nicht, ich kämpfe nur. Und ich kämpfe für eine gute und gerechte Sache. So wie jeder andere Wolf.


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regeln gelesen;
Nein, wieso? Ich habe sie geschrieben.


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Zuletzt von Tendai am Sa Dez 15, 2012 2:55 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Tendai - Zornesglut   Fr Dez 14, 2012 12:55 am

Bin fertig Very Happy Möchte ein Teammitglied drüberschauen, damit alles seine Ordnung hat?

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BeitragThema: Re: Tendai - Zornesglut   Fr Dez 14, 2012 2:07 am

Ich schaus mir mal an und editiere diesen beitrag wenn es Auffälligkeiten gibt.
hab nur Kleinigkeiten gefunden. (:

Die Größe sowie das Gewicht von Tendai fehlen, würde ich noch dazu editieren. Außerdem steht bei Inaktivität immer noch folgt, würde ich auch noch hinzufügen.
Bei dem Charaktertext in dem zweiten Satz soweit ich sehe:
soviel kann ich euch verraten, schreibt man so viel soweit ich mich erinnere auseinander.
> Das hört sich jetzt sehr extrem an, so, als sei ich verrückt....aber das bin ich nicht. Ich bin nur leicht zu reizen <--- richtig wäre: verrückt…, aber und dann und so weiter.
> Aber na schön, wenn du doch eh so gut über mich bescheid weißt, kann es ja nicht schaden, wenn du noch mehr erfährst <---- Bescheid schreibt man groß. (ist bei Vorlieben und Abneigungen, zweiter Satz)
> (Vergangenheit zweiter Satz) wisst ja eh schon bescheid! <---- gleicher Fehler wie vorhin, Bescheid schreibt man groß.
> (Vergangenheit irgendwo in der am Anfang bis Mitte) Und jetzt war Zori stehen geblieben, hielt die Nase in die Luft und witterte aufmerksam. Khan, der größte und draufgeängerischste meiner Brüder, witterte ebenfalls. <-- draufgängerischste, da haste glaub ich dich vertippt.
> Das Hochplateau ist sehr hoch. Und sehr steil. Nicht so hoch, dass man es wirklich „Schlucht“ nennen könnte, und nicht so steil, dass man nicht hinaufklettern könnte, aber wenn ein Wolf oben einen falschen Tritt macht, kann es sein, dass er die ganze Schlucht hinunterpurzelt <--- hinunter purzelt, also auseinander. Glaub ich jedenfalls, hab extra sogar es nochmal im Rechtschreibprogramm nach geschaut.

Das sind allerdings nur Kleinigkeiten, die man nicht wirklich beachten muss. Insofern musste das auch net ändern xD
Sonst muss ich es sagen das der Charakterbogen dir echt gelungen ist, du hast ausführlich und lange geschrieben, die Texte reißen einen mit schön (: Ich bin ein wenig pingelig deswegen ich denke nicht dass du das verbessern musst, ich wollts nur anmerken. Ich liebe diesen CB, echt du schreibst total schön, also ich denke ich muss dir kein Wob geben, da du ja der Admin bist xD
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BeitragThema: Re: Tendai - Zornesglut   Fr Dez 14, 2012 4:30 am

Wow, wusste gar nicht, dass man so einen langen Text zu einem einzelnen CB schreiben kann Wink mit Größe und Gewicht änder ich es bald, Inakivität füg ich noch heute hinzu, muss ich wohl übersehen haben (was auch ne Leistung ist, in einem selbstgecodeten CB o.o)
Mit den Schreibfehlern....wenn ich in deinem CB auch so aufmerksam Ausschau gehalten hätte, hätte ich genauso viele gefunden, aber gut, ich kann es verstehen, dass du das erwähnst, ich bin auch nicht gerade un-pingelig^^ ich verbesser das dann morgen oder so. Und danke, dass du was dazu geschrieben hast Wink

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BeitragThema: Re: Tendai - Zornesglut   Fr Dez 14, 2012 5:13 am

Ja wie gesagt nur Sachen die mir mal aufgefallen sind, wollts nur anmerken, ist ja nicht so wichtig xD
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BeitragThema: Re: Tendai - Zornesglut   Fr Dez 14, 2012 5:14 am

Ich verbesser es trotzdem mal. Very Happy

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BeitragThema: Re: Tendai - Zornesglut   Sa Dez 15, 2012 2:57 am

Fertig.

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BeitragThema: Re: Tendai - Zornesglut   Sa Dez 15, 2012 3:05 am



klingt schön Smile

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This is the end. Hold your breath and count to ten. Feel the earth move and then Hear my heart burst again. For this is the end. I've drowned and dreamt this moment. Skyfall is where we start. A thousand miles and poles apart. Where worlds collide and days are dark. You may have my number You can take my name. But...
You'll never have my heart



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Lycris: Skifall
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Tendai - Zornesglut
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